Praterleut‘ (3): Alexander Ruthner (Liliputbahn)

An diesem Sonntag (6. März 2016) steht der Prater ganz im Zeichen des „verrücktesten Draisinenrennens der Welt“. Um elf Uhr fällt der Startschuss am Hauptbahnhof der Liliputbahn, anschließend machen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die vier Kilometer lange Strecke durch den Grünen Prater. Ein Kopf hinter dem Event ist Liliputbahn-Geschäftsführer Alexander Ruthner, mit dem ich mich für den dritten Teil der Polditown-Praterleut‘-Serie getroffen habe.

Errichtet wurde die Schmalspurbahn 1928 aus Anlass des Sängerbundtreffens in der Rotunde. 1933 wurde die Strecke auf die heute noch übliche Runde bis zum damals neu eröffneten Stadion erweitert. Im deutschsprachigen Raum gab es zwischen den beiden Weltkriegen einen regelrechten Boom an so genannten Parkbahnen, der trotz Kriegswirren – an manchen Stellen der Schienen sind noch heute Granatsplitter sichtbar – bis in die Nachkriegszeit angehalten hat. Danach lösten andere Freizeitbeschäftigungen die Fahrt durch den Prater ab, das Auto ermöglichte Reisen auch ins Ausland und so wurden Bahnfahrten durch den Prater zunehmend uninteressanter. „Die Blütezeit der Bahn reichte bis zur Zeit des Wunderteams im Fußball. Danach ging es sukzessive bergab“, erzählt Ruthner.

Die Entwicklung der Liliputbahn kreuzt sich dabei immer wieder mit dem rot-weiß-roten Fußball und dessen Berg- und Talfahrt. Schon Max Merkel richtete deutschen Fußballfans, die im damals noch Praterstadion genannten Oval ein Auswärtsspiel ihres Teams besuchen wollten, folgendes via Bild-Zeitung aus: „Nehmen Sie die Liliputbahn durch den Prater, dort gibt’s Schwarzhändler wie Sand am Meer und je später Sie mit dieser Bahn fahren, desto billiger werden die Preise“ (Quelle: Wien für Bundesliga-Fans). Die Schwarzhändler stehen heutzutage direkt vor dem Ernst-Happel-Stadion, denn die U2 bringt – auf Kosten der Liliputbahn – Fußballfans seit der Europameisterschaft 2008 bequem bis zum Stadion.

Für jene Fans, die vor einem Match dem Schweizerhaus oder der Luftburg einen Besuch abstatten, ist die Liliputbahn aber auch heute noch die attraktivste Verbindung zum Stadion. „Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Liliputbahn Fans bei fast jedem Wetter verlässlich zum Stadion bringt. Wir sind dann mit allen Zügen und allem Personal im Einsatz und können pro Fahrt hundert Personen transportieren“, erklärt Ruthner. Dank des derzeitigen Prater-Gastspiels des SK Rapid ist auch abseits von Länderspielen und Europacup-Abenden für Auslastung bei der Liliputbahn gesorgt. Ruthner hofft, dass möglichst viele Fans auf den Liliputbahn-Geschmack gekommen sind und auch nach dem Umzug der Grün-Weißen in das neue Weststadion mit ihren Familien für die eine oder andere Fahrt in den Prater zurückkehren. Zudem wird die Austria ab dem Sommer 2016 bis zur Fertigstellung des Horr-Stadions ihre Heimspiele im Ernst-Happel-Stadion austragen und so für zusätzliches Gästeaufkommen im Prater sorgen.

Fußballfans werden der Liliputbahn als Fahrgäste also auch weiterhin erhalten bleiben. Weitere wichtige Zielgruppen sind neben der einheimischen Bevölkerung, die rund 70 Prozent der Fahrgäste ausmacht, Eisenbahnromantiker und natürlich Touristen. „Wir bieten Eisenbahnfreunden spezielle Backstagetouren an, bei denen wir exklusive Einblicke in die Technik geben. Wir hatten auch schon mal Besuch von einem Herrn aus Amerika, der auf seiner Ranch eine Privatbahn unterhält und ganz begeistert von unseren Dampfloks war“, erzählt Ruthner. Die Dampfloks sind auch ein wichtiges Mittel, um vor allem Kindern und Jugendlichen die Faszination Eisenbahn näherzubringen. „Bei diesen Loks sieht man die Wirkungsweise der Technik noch hautnah, man kann beobachten, wie die Räder angetrieben werden. Das ist schon beeindruckend“, sagt Ruthner.

planlpFür die nähere Zukunft planen die Betreiber ein zusätzliches Gleis am Prater-Hauptbahnhof, damit dort stets ein Zug präsent ist und zum Einsteigen einlädt. Zudem soll bei schlechterer Witterung künftig ein Dach den Aufenthalt am Bahnsteig komfortabler gestalten. Ein Ausbau der Strecke bis zum Lusthaus, wie er früher immer wieder mal thematisiert wurde, ist kein Thema mehr. „Man würde die Fahrtdauer dadurch verdoppeln und natürlich müsste man dann auch die Preise anpassen. Angesichts des knappen Zeitbudgets vieler Praterbesucher würde sich das aber wohl nicht auszahlen“, sagt Ruthner. Die Idee, den Hauptbahnhof der Liliputbahn in die Nähe der Kaiserwiese vorzuverlegen, scheiterte vor rund zehn Jahren unter anderem an der fehlenden politischen Unterstützung. Wesentlich konkreter sehen dagegen die Pläne für einen temporären Winterbetrieb der Bahn aus, zum Beispiel rund um Nikolaus oder in den Weihnachtsferien.

Das 250-Jahr-Jubiläum sieht Ruthner als Chance, den Prater vor allem bei Touristen langfristig als Wien-Highlight zu verankern. „Im Vergleich zu Disneyland oder dem Europapark kann man ohne Eintritt durch den Prater flanieren und man gibt nur dann Geld aus, wenn man tatsächlich mit einem Fahrgeschäft fahren will“, betont Ruthner. Man kann den Prater aber natürlich auch für kurze Erholungspausen vom Büroalltag nutzen. Ruthner „vergisst“ dann gerne mal das Handy im Büro, setzt sich als Passagier in die Liliputbahn und genießt die zwanzigminütige Fahrt. „Das“, so Ruthner, sei „Entspannung pur“.

Informationen zum Programm des Draisinenrennens finden Sie hier.

get in contact: Liliputbahn – Prater 99 – www.liliputbahn.com – Die Liliputbahn auf Facebook

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