„Der 2. Bezirk ist ein ziemlich guter Platz zum Leben“

„Wir san im Zwara, dort wo a jeder a leiwandes Leben hat“ hat Augustin Lehfuss gemeinsam mit einem Freund eines späten Abends im Jazzlokal Zwe in der Floßgasse getextet. Eine Textzeile für sein Loblied auf den zweiten Bezirk namens Da Zwara. Und zugleich eine Aussage, hinter der der Musiker auch persönlich stehen kann. Die Leopoldstadt sei „echt, erdig und vielfältig“, ein „ideales Bindeglied“ zwischen erstem Bezirk und Transdanubien und ein „schöner Brückenkopf in alle Richtungen“. Vor allem die Märkte („Am Volkertmarkt gibt es irrsinnig guten Fisch“) und der Prater haben es dem Musiker, der die Songs und Arrangements von Glenn Miller und Nelson Riddle verehrt, angetan.

Seit 2003 wohnt Lehfuss im zweiten Hieb. Aufgewachsen ist der 53-Jährige im gutbürgerlichen Hietzing. Dort kam er auch erstmals mit der Musik in Berührung. „Mein Vater hat meinem Bruder eines Tages ein Klavier gekauft. Nachdem der es ein halbes Jahr lang gemartert hat, habe ich es geentert“, erinnert sich Lehfuss zurück. Das Wort Bechstein, der Name des Klavierherstellers, wurde so zum ersten Wort, das der kleine Augustin Lehfuss entziffern und lesen konnte.

Als der heute 53-Jährige bereits wesentlich mehr als ein Wort sinnerfassend lesen konnte, folgten Geschichtestudium und bestandene Aufnahmeprüfung am Konservatorium für Jazztrompete. Anschließend stieg er auf Jazztheorie und Komposition um und arbeitete schließlich als Arrangeur. Im Rahmen dieser Tätigkeit arrangierte er zum Beispiel die Wienerlieder-CD Wolfgang Ambros singt Moser sowie Tonträger von Patricia Kaas. Heute ist er unter anderem für das Holzbläserquintett der Staatskapelle Berlin tätig. „Irgendwann zwischendurch hat mich das dann nicht mehr so befriedigt und ich habe begonnen, selber Lieder zu schreiben“, erzählt Lehfuss. Den Zeitpunkt des „irgendwann“ verortet der Sänger, der in der Wienerlieder-Szene als Gustfuss bekannt ist,  in den Jahren 1996 oder 1997.

Seit er in der Leopoldstadt wohnt, beschäftigt er sich in seinen Liedern auch mit seiner neuen Heimat. „Die Idee zum Zwara kam dem Karl Szalay und mir um drei in der Früh im Zwe. Am nächsten Tag habe ich mich hingesetzt und es ausgearbeitet“, erklärt Lehfuss die Entstehungsgeschichte. Während der Musiker für das zum Song produzierte Video eine Zeitraffer-Sightseeing-Tour durch den zweiten Bezirk unternimmt, stimmt der Sänger in Praterstern wesentlich nachdenklichere Töne an. Auslöser für diesen Song waren jene Obdachlosen, die während des Bahnhofumbaus den Freiraum rund um den provisorischen Billa-Verkaufscontainer okkupierten. Auch wenn in diesem Song wesentlich mehr Ernsthaftigkeit als im Zwara liegt, würde sich Lehfuss nicht als „Protestliedschreiber“ bezeichnen. „Ich habe keine besondere soziale Botschaft, sondern will Geschichten erzählen.“ Zur heutigen Situation rund um den Praterstern und die dort beheimatete Szene sagt Lehfuss, dass es gut sei, dass dort jetzt sichtbar mehr Polizei unterwegs sei, „phasenweise war es nicht mehr zum Aushalten“.

Aber auch die immer wieder zu Diskussionen anregenden Zustände am Praterstern ändern nichts an Lehfuss‘ Gesamturteil über die Leopoldstadt. „Der Zweite ist ein ziemlich guter Platz zum Leben. Hietzing ist mir zu schickimicki, Favoriten zu Mundl-mäßig. In der Leopoldstadt ist es g’rad richtig“, betont Lehfuss. Und dass der zweite Bezirk aufgrund der natürlichen Grenze des Donaukanals vom restlichen Wien mitunter schon als Ausland wahrgenommen wird, damit spielt er auch gerne während seinen Auftritten. „Als ich früher den Zwara gemeinsam mit einer Wienerlied-Partie gespielt habe, habe ich immer als Einleitung gesagt: Das ist für die Leute, die, wenn sie über die Salztorbrücke gehen, einen Reisepass mitnehmen.“

Ganz ohne Reisepass kann man Augustin Lehfuss am 19. Februar 2016 im Café Amadeus (20:30 Uhr, Märzstraße 4, 15. Bezirk) erleben.

get in contact: Infos zu Augustin Lehfuss findet ihr auf www.lehfuss.com und www.gustfuss.com sowie auf Facebook.

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